Ein eigenes Unternehmen zu gründen kann zu einer der aufregendsten Entscheidungen deines Lebens werden. Die Vorstellung, aus dem Hamsterrad und dem Alltagstrott auszubrechen, deiner Leidenschaft nachzugehen und etwas ganz Eigenes aufzubauen, ist berauschend.
Aber folge bitte nicht der Strategie von Hoffnung und Wunschdenken. Es ist leider die brutale Wahrheit: Hoffnung ist keine Strategie, und mit Wünschen lässt sich keine Rechnung bezahlen. Dennoch tappen viel zu viele aufstrebende, begabte Unternehmer in die Falle, den Weg zu romantisieren und dabei die praktischen Schritte zu vernachlässigen, die für den Erfolg notwendig sind.
Der Unternehmerfriedhof ist übersät mit den Überresten von Unternehmen, die von nichts anderem als hochfliegenden Träumen und vagen Plänen begonnen wurden.

Wenn du es ernst meinst mit dem Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens, musst du dich von magischem Denken komplett verabschieden und dich auf die Realität besinnen. Ich sage nicht, dass Optimismus schlecht ist. Im Gegenteil – Optimismus ist unerlässlich. Aber Optimismus ohne Taten und Strategie ist ein Rezept für den Marsch in die Katastrophe.
Der Irrtum vom „manifestierten Erfolg"
In Existenzgründungsseminaren und Coachings kursiert leider oft eine verführerische Vorstellung: es ist die Vorstellung, dass das Universum einen belohnen wird, wenn man nur positiv genug denkt. Das ist eine schöne Vorstellung, und es steckt tatsächlich auch ein wahrer Kern in der Macht der positiven Denkweise, aber lass mich eines klarstellen:
Keine noch so intensive Manifestation kann schlechte Planung oder Unkenntnis des Marktes und der Marktchancen kompensieren. Das Universum ist kein Risikokapitalgeber. Du kannst dich noch so oft und so intensiv als CEO eines florierenden Unternehmens vorstellen – ohne einen soliden Geschäftsplan wird diese Vision nur ein Tagtraum bleiben.
Zu glauben, dass dein Wunsch nur stark genug sein muss, um erfolgreich zu sein, ist gefährlich. Es führt zu Selbstüberschätzung, schlechten Entscheidungen und der Tendenz, kritische Risiken zu übersehen. Auf das Beste zu hoffen ist kein Ersatz dafür, die Arbeit zu tun.

Was ist falsch am Wünschen?
Gute Frage – eigentlich nichts. Wie schön war es doch, als wir noch Kinder waren und unseren Weihnachtswunschzettel geschrieben haben. Oft wurden unsere Wünsche dann auch erfüllt, weil wir tolle Eltern, Tanten und Onkels hatten.
Aber leider gibt es für dich, der du ein Unternehmen gründen willst, nicht den allumfassenden Wunschzettel, der dann auch problemlos erfüllt wird.
Der Wunschzettel und die damit verbundene Hoffnung, dass er erfüllt wird hat in diesem Zusammenhang gravierende Nachteile.
Die wichtigsten sind:
- Du kommst nicht ins Handeln: Wünsche machen dich passiv. Anstatt konkrete Schritte zu unternehmen, um voranzukommen, verbringst du deine Zeit damit, dir vorzustellen, was sein könnte. Die Stunden, die du damit verschwendest, deinem Wunschdenken nachzuhängen solltest du besser damit verbringen, mehr über deine Branche zu erfahren, deine Fähigkeiten zu verfeinern oder dein Netzwerk aufzubauen.
- Die Augen verschließen vor der Realität: Wünsche erzeugen falsche Sicherheit. Du machst dir damit vor, dass Erfolg unvermeidlich ist, weil du doch so sehr daran „glaubst“. Aber Märkte und das Business kümmern sich nicht um deine Gefühle. Kunden kaufen Produkte nicht wegen deiner Leidenschaft und deinen Wünschen; sie kaufen, weil das Produkt ein Problem löst oder ein Bedürfnis erfüllt.
- Du ignorierst Warnsignale: Wenn du nur noch wünschst, dass dein Geschäft endlich floriert, gerätst du schnell in Gefahr, Warnsignale zu ignorieren. Mach dir lieber folgende Gedanken: Vielleicht funktioniert ja dein Geschäftsmodell grundsätzlich nicht, deine Produkte sind für deinen Zielmarkt nicht interessant oder deine Finanzen geraten außer Kontrolle. Blinder Optimismus kann dich trotzdem ermutigen, weiterzumachen, ohne diese Probleme anzugehen, was zu einem katastrophalen Scheitern führen kann.
- Unterschätzung der Konkurrenz: Hoffen und Wünschen kann zu einer gefährlichen Art von Naivität führen, weil du deine Konkurrenzsituation völlig falsch einschätzt. Zu glauben, du würdest Erfolg haben, weil du „es mehr willst“ als deine Konkurrenten, ist lächerlich. Deine Konkurrenten arbeiten vermutlich härter und intelligenter, während du damit beschäftigt bist, zu träumen.
Der richtige Ansatz: Ersetze Hoffnung durch Strategie
Aber was, wenn Hoffen und Wünschen dann doch nicht funktionieren? Was machst du dann? Die Antwort ist relativ simpel: Ersetze Hoffen und Wünschen durch Strategie, Vorbereitung und unermüdliche Umsetzung. Der Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens braucht einen klaren Blick auf die bevorstehenden Herausforderungen, Anpassungsbereitschaft und Engagement zum Handeln.
- Mach deine Hausaufgaben
Jedes große Unternehmen beginnt mit ausführlichen Recherchen. Bevor du einen Cent ausgibst oder gar deinen festen Job kündigst, musst du den anvisierten Markt in- und auswendig kennen. Wer sind deine Konkurrenten? Was hast du für eine Zielgruppe? Was sind die Probleme und Schwachstellen dieser Zielgruppe? Mit welchen Produkten kannst du diese Probleme lösen oder die Schwachstellen beheben? Wieviel ist deine Zielgruppe bereit, für eine Lösung zu zahlen?
Zu viele Neuunternehmer überspringen fatalerweise diesen Schritt, weil er ziemlich mühsam und überhaupt nicht glamourös ist. Es ist doch viel spannender, Ideen für Logos zu sammeln oder sich deine zukünftigen Büroräume auszumalen. Aber leider ist eine Unternehmensgründung ohne dieses grundlegende Wissen ein Vorhaben im Blindflug.
Am Rande bemerkt: Recherche ist beileibe keine einmalige Aufgabe. Es ist ein fortlaufender Prozess, der jede deiner Entscheidungen beeinflussen muss. Trends ändern sich, Märkte entwickeln sich und Kundenpräferenzen ändern sich. Wenn du auf dem Laufenden bleibst, hast du einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die sich auf Wünschen und Hoffen verlassen.
Der wohl langweiligste und anstrengendste. erste Schritt bei deiner Unternehmensgründung. Von den meisten Gründern nicht geliebt, aber unbedingt notwendig
Ja, es klingt langweilig, aber ein Geschäftsplan ist die Blaupause für den Erfolg. Er zwingt dich, jeden Aspekt deines Unternehmens zu durchdenken: dein Wertversprechen, dein Umsatzmodell, deine Marketingstrategie und dein Plan zum Einsatz deiner Ressourcen Er hilft dir, potenzielle Fallstricke zu erkennen, bevor sie zu unüberwindlichen Problemen werden.
Dein erster Geschäftsplan muss nicht perfekt sein und er wird sich ganz sicher im Laufe der Zeit auch noch ändern. Aber durch die Erstellung bist du gezwungen, dich allen aufkommenden Fragen zu stellen. Wie willst du Kunden gewinnen? Wie sieht deine Finanzierung aus? Wo liegt deine Gewinnschwelle?
Und hier meine ganz klare Ansage: Wenn du diese Fragen nicht zu hundert Prozent beantworten kannst, bist du noch nicht bereit für den Start.
- Konzentriere dich auf die Umsetzung
Selbst die tollsten Ideen sind wertlos, wenn sie nicht umgesetzt werden. Unzählige talentierte, angehende Unternehmer halten großartige Ideen zurück, weil sie auf den „perfekten“ Zeitpunkt warten oder versuchen, auch noch das letzte Detail zu planen.
Aber die Wahrheit ist, du wirst nie alle Antworten haben, und du wirst nie 100 % bereit sein. Irgendwann musst du den Sprung wagen.
Das bedeutet aber nicht, blindlings loszulegen. Es bedeutet, klein anzufangen, deine Ideen zu testen und basierend auf eingehendes Feedback zu vervollkommnen. Zum Beispiel ist die Einführung eines minimal funktionsfähigen Produkts (MVP) eine großartige Möglichkeit, dein Konzept zu validieren, ohne übermäßig viel Zeit oder Ressourcen zu investieren. Der Schlüssel liegt darin, dich weiterzuentwickeln, zu lernen und dein Konzept zu verfeinern.
- Gnadenlose Ehrlichkeit ist gefragt
Unternehmer zu werden und zu sein erfordert von dir den Mut zu brutaler Selbsterkenntnis. Du musst deine Stärken und Schwächen genau kennen und so ehrlich sein, zu erkennen ob du wirklich bereit und in der Lage bist, ein Unternehmen zu gründen oder zu führen. Wenn dir dazu bestimmte Fähigkeiten fehlen – wie Marketingkenntnisse, Finanzmanagement oder technisches Fachwissen –, solltest du diese Lücken schnellstmöglich proaktiv schließen.
Es ist vor allem auch wichtig, die Erwartungen realistisch zu halten. Nicht aus jedem Unternehmen kann das nächste Amazon oder Tesla werden, und das ist auch völlig in Ordnung. Definiere für dich ganz persönlich, wie Erfolg für dich aussieht und erstelle dann deinen Plan, um ihn zu erreichen.
- Umgib dich mit den richtigen Leuten
Im Geschäftsleben gibt es nur ganz wenige Einzelkämpfer. Kaum einer hat im Geschäftsleben Erfolg, wenn er als einsamer Wolf agiert. Du wirst Mentoren brauchen, Berater, Partner und möglicherweise Mitarbeiter, die dir auf deinem Weg helfen. Wähle diese Leute sehr sorgfältig aus. Umgib dich nur mit Personen, die deine Visionen positiv in Frage stellen, konstruktives Feedback geben und dein Engagement für Spitzenleistungen teilen.
Beim Aufbau eines Netzwerkes geht es nicht nur darum, Leute zu finden, die dir helfen können; es geht vor allem darum, vorteilhafte Beziehungen für beide Seiten aufzubauen. Biete anderen einen Mehrwert, und sie werden dich im Gegenzug unterstützen. Dein Netzwerk ist dein Nettovermögen.
- Plane auch für den Fall eines Scheiterns
Das mag kontraintuitiv klingen, aber hey, eines der klügsten Dinge, die du als Unternehmer tun kannst, ist, für den Fall eines Scheiterns zu planen. Warum? Weil das die wenigsten tun und weil es dir Sicherheit gibt. Was wirst du zum Beispiel tun, wenn deine ursprüngliche Idee überhaupt nicht funktioniert? Wie wirst du dich anpassen, wenn sich der Markt ändert? Was ist deine Ausstiegsstrategie, wenn die Dinge schiefgehen?
Damit bereitest du dich sehr intensiv auf mögliche Rückschläge vor, die immer passieren können. Für den Fall eines Scheiterns zu planen bedeutet nicht, dass du mit einem Scheitern rechnest; es bedeutet nur, dass du realistisch bist. Und Realismus ist der Eckpfeiler einer hervorragenden Belastbarkeit.

Ersetze Hoffnung durch Gewohnheiten
Einer der größten Unterschiede zwischen erfolgreichen Unternehmern und Menschen, die vom Unternehmertum träumen sind Gewohnheiten. Träumer verlassen sich auf Inspirations- und Motivationsschübe, während erfolgreiche Unternehmer auf Disziplin und Beständigkeit setzen. Sie warten nicht auf den perfekten Moment oder einen Geistesblitz; sie sind jeden Tag präsent und erledigen die Arbeit.
Hier sind einige Gewohnheiten, die du dir aneignen solltest:
Setze klare Ziele: Teile deine große Vision in kleinere, umsetzbare Schritte auf. Setze Fristen und trage die Verantwortung dafür.
Verfolge deinen Fortschritt: Überprüfe regelmäßig deine Kennzahlen. Erreichst du deine Ziele? Wenn nicht, warum nicht? Nimm Strategieanpassungen vor.
Lerne kontinuierlich: Die besten Unternehmer sind lebenslange Lernende. Lies Bücher, besuche Workshops und bleibe über Branchentrends auf dem Laufenden.
Achte auf deine Selbstfürsorge: Burnout ist real und ein Produktivitätskiller. Achte auf deine körperliche und geistige Gesundheit, um in Bestform zu bleiben.

Die Rolle der Leidenschaft
Lass uns noch über etwas sprechen, das man nicht in Zahlen, Daten und Fakten messen kann. Das ist die Leidenschaft. Leidenschaft wird oft als die ultimative Zutat für unternehmerischen Erfolg angesehen. Und obwohl sie sehr wichtig ist, reicht sie dennoch nicht aus. Leidenschaft kann dich befeuern, aber sie kann mangelnde Vorbereitung oder schlechte Entscheidungen nicht kompensieren.
Leidenschaft muss mit Zielstrebigkeit und Praktikabilität gepaart sein. Welches Problem löst dein Unternehmen oder dein Produkt? Warum ist das wichtig? Wie wirst du deine Lösung in ein tragfähiges Geschäft verwandeln? Die Beantwortung dieser Fragen wird dir helfen, deine Leidenschaft in etwas Greifbares zu kanalisieren.
Fazit
Ein Unternehmen zu gründen ist nicht einfach. Es kann chaotisch sein und dich manchmal überfordern. Aber es kann auch sehr lohnend und erfüllend sein – wenn du es mit der richtigen Einstellung angehst. Hoffen und Wünschen mögen sich im Moment gut anfühlen, aber sie werden dich nicht dorthin bringen, wo du hinmöchtest. Erfolg erfordert Strategie, Disziplin und unermüdliche Umsetzung.
Nicht träumen, sondern handeln ist angesagt. Ersetze vage Bestrebungen durch konkrete Ziele. Tausche Wunschdenken gegen rigorose und gute Planung aus. Und am wichtigsten: Werde aktiv. Die Welt ist voller Träumer, aber die Zukunft gehört den Machern.